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Ist "Deep Work"-Mangel und ständige Ablenkung der Feind deiner Produktivität? Ein Interview mit Cal Newport

Mangel an Deep-Work ergibt Produktivitätsprobleme

Wir möchten dir eine Herausforderung geben, die vielleicht schwieriger ist, als du annimmst: Setze dich mit einem Projekt auseinander und konzentriere dich die nächsten 90 Minuten ununterbrochen darauf. Keine E-Mails, keine Chats und kein Wechseln zwischen verschiedenen Aufgaben.

Ah noch was, das Berühren deines Mobiltelefons (das du durchschnittlich 2.617 Mal pro Tag ausführst) ist ebenfalls verboten.

Buch von Cal Newport: Deep Work

Der Autor und Dozent der Georgetown University Cal Newport untersucht in seinem Buch, Konzentriert arbeiten: Regeln für eine Welt voller Ablenkungen unsere Unfähigkeit, sich zu konzentrieren.

Die Fähigkeit, sich auf Deep Work zu konzentrieren, argumentiert Cal, ist eine der wertvollsten Fähigkeiten, die einer für seine Arbeit und für die Wirtschaft im Allgemeinen mitbringen kann. Konzentrierte Arbeit produziert wertvolle Vermögenswerte, innovative Ideen und beeindruckende Ergebnisse. Der Zustand völlig konzentrierter und fokussierter Arbeit wird allerdings immer rarer.

Die Mehrheit von uns kämpft darum den Umtrieb der mit der Technologie, den parallelen Kommunikationskanälen, dem dauerhaftem Online-Sein und dem Bedürfnis „alles haben zu müssen“, einhergeht, abzuwehren. Aufgaben, die keine volle Konzentration erfordern, was Newport als "Shallow Work" bezeichnet, können unsere Zeitpläne schnell ausfüllen und uns davon abhalten, die Tiefe unseres Potenzials zu erschließen.

Wie können wir konzentrierte Arbeit als grundlegende berufliche Fähigkeit entwickeln? Und was sind die Risiken, wenn wir dies nicht tun? Wir fragten Cal Newport persönlich nach seinen Erkenntnissen und Tipps für ein effizienteres Arbeiten.

Eintauchen in die Deep-Work-Methode

Trello: Konzentriertes Arbeiten ist "eine Fähigkeit, die trainiert werden muss" — ein Fakt, den die meisten nicht wahrhaben wollen. Aber warum ignorieren wir die Tatsache, dass Fokussierung Übung erfordert?

Cal Newport: Dies verstehen viele falsch. Viele glauben, dass der Zustand konzentrierter und fokussierter Arbeit eine Gewohnheit sei, wie z.B. das Zähneputzen — Konzentration ist aber etwas, von dem wir zwar wissen wie man es macht, aber für das man sich einfach mehr Zeit nehmen müsste. Die Realität ist, dass konzentriertes Arbeiten eine erworbene Fähigkeit ist, wie das Gitarre spielen — das klappt auch nicht ohne stetiges Üben.

Das ist wichtig. Wenn du glaubst, dass "Deep Work" lediglich eine Gewohnheit ist, und wenn dein Versuch nicht klappt (wie zu erwarten war, schließlich hast du nicht geübt), könntest du fälschlicherweise den Schluss ziehen, du seist kein "Deep-Worker".

Andererseits, sobald du erkennst, dass es sich um etwas handelt, das trainiert werden muss, wirst du nicht durch schlechte Erfahrungen entmutigt. Betrachte es als Beweis dafür, dass du noch etwas tun musst, um besser zu werden.

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Viele glauben, dass der Zustand konzentrierter und fokussierter Arbeit eine Gewohnheit sei, wie z.B. das Zähneputzen — Konzentration ist aber etwas, von dem wir zwar wissen wie man es macht, aber für das man sich einfach mehr Zeit nehmen müsste. Die Realität ist, dass konzentriertes Arbeiten eine erworbene Fähigkeit ist, wie das Gitarre spielen — das klappt auch nicht ohne stetiges Üben.

 

Wie beeinflusst "Deep Work" dein Leben? Ändert es nur die Zeit, in der du ablenkungsfrei arbeitest? Wie verhält es sich, dass man im Allgemeinen nun aufmerksamer wird?

Cal Newport: "Deep Work" und Achtsamkeit ist die Verpflichtung mit deiner Aufmerksamkeit intentional und geflissentlich umzugehen. Wir wissen nicht, wie sehr wir es zulassen, dass unsere Aufmerksamkeit von externen Kräften, von der schnelllebigen und sprunghaften Zeit beansprucht und manipuliert wird. Wenn du zum Beispiel meditierst oder dich intensiv auf eine schwere Aufgabe konzentrierst, hilft der Widerstand, den du zuerst spürst, diesen Zustand zu unterstreichen.

"Wir wissen nicht, wie sehr wir es zulassen, dass unsere Aufmerksamkeit von externen Kräften, von der schnelllebigen und sprunghaften Zeit beansprucht und manipuliert wird."

Das “Hersteller-versus-Manager”-Konzept haben wir bei Trello umgesetzt. Das heißt, wir planen einheitliche „Hersteller-Tage“ oder Bauteil-Tage, um an Projekten zu arbeiten, die als unterbrechungsfreie Zeiten gelten. Wie würdest du in deinem Umfeld, mit deinen Mitarbeitern eine Deep-Work-Kultur aufbauen?

Cal Newport : Eine besondere Strategie, von der meine Leser berichten ist, ein Verhältnis zwischen anspruchsvoll und belanglos zu schaffen. Genauer: spreche mit deinem Chef über "Deep Work" und "Shallow Work". Du wirst feststellen, dass beide seine Berechtigung haben. Versucht gemeinsam herauszufinden, wie hoch das optimale Verhältnis von anspruchsvollen Aufgaben ohne Ablenkung "Deep Work" zu Shallow Work" Routineaufgabe in einer bestimmten Woche sein sollte. Das heißt, welcher Prozentsatz deiner Arbeitszeit einer normalen Woche sollte sich mit "Deep Work" befassen und welcher Teil mit "Shallow Work".

Sobald ihr euch auf ein Verhältnis geeinigt habt, beobachte und messe deine Zeit und berichte, wie es läuft. Wenn du immer wieder zu kurz kommst, könnt ihr gemeinsam an einem besseren Plan arbeiten, der euch hilft, ein optimales Verhältnis zu erreichen. In der Praxis beinhalten diese Pläne häufig festgelegte Deep-Work-Zeiten, befürwortet von deinem Chef, die dich vor Ablenkung schützen.

Wie fühlt sich eine erfolgreiche, anspruchsvolle Berufserfahrung an?

Cal Newport: Sobald du ein disziplinierter Deep-Work-Praktiker bist, wirst du feststellen, dass belanglose Aktivitäten — kleine Aufgaben, E-Mails, Besprechungen — deine Situation nicht spürbar verändern oder verbessern. Diese Aktivitäten sind leicht zu reproduzieren und zu verbessern. Hier werden keine anspruchsvollen Fähigkeiten benötigt. Daher bringen sie per Definition schon keine neuen Werte. Sobald du diese Einstellung annimmst, wirst du aufhören, all dieses Gehetze als eine Art positive „Produktivität“ zu betrachten. Stattdessen wirst du dich darüber ärgern, kann man doch diese Zeit für Hochwertiges und Produktives verwenden.

“Sobald du ein disziplinierter Deep-Work-Praktiker bist, wirst du feststellen, dass belanglose Aktivitäten — kleine Aufgaben, E-Mails, Besprechungen — deine Situation nicht spürbar verändern oder verbessern.” 

Diese Veränderung, dieses Umschalten kann tatsächlich ziemlich drastisch sein. Daher kann es für viele Wissens-Worker, ziemlich verwirrend sein, wenn sie die bislang für wichtig erachtenden Arbeitsschritte nun mit Unproduktivität in Verbindung bringen müssen.

Welche Rolle spielt Technologie bei der Arbeitsauffassung des Deep-Work? Was können wir tun, dass Technologie unsere Produktivität weniger negativ beeinflusst.

Cal Newport: Dass Technologie ein konzentriertes Arbeiten erschwert, spielt sicherlich eine Rolle. Den größten Einfluss können wir wahrscheinlich dem Smartphone zuschreiben. Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit ist es nun möglich, sich bei der kleinsten Langeweile und unter allen Umständen sofort abzulenken — vom Schlangestehen, über das Warten auf eine Verabredung, sogar beim Verlassen der Toilette im Restaurant, bis zum Ampelstopp.

Langeweile zu vertreiben klingt ja eigentlich gut. Aber das Problem ist, dass ein Pawlow'scher Reflex in deinem Gehirn ausgelöst wird, der Langeweile automatisch mit Ablenkung in Verbindung bringt. Wenn du diese Verbindung zulässt, kann es unglaublich schwierig werden, konzentriert bei einer Sache zu bleiben. Immer dann wenn Deep Work stattfinden soll, (Deep Work fällt nun mal unter die Kategorie langweilig) ist dein Gehirn auf der Suche nach Abwechslung und neuartiger Reize. Deinem Gehirn wurde suggeriert Langeweile nicht zu tolerieren. Du hast es in diese Richtung trainiert.

Der Schlüssel zur Vorbereitung Deep Work und konzentriertes Arbeiten in dein Leben zu bringen, ist regelmäßig Langeweile zuzulassen. Du musst nun dein Handy nicht wegwerfen, nimm es einfach nicht überall mit. Oder lege es für eine bestimmt Zeit beiseite und schalte es ab. Aber notiere auch die Zeitfenster, bei denen du den Handy-Verzicht nicht geschafft hast. Gut ist auch ein Scoreboard, um motiviert zu bleiben.

Erfahre von Cal Newport mehr über "Deep Work" und über weitere Möglichkeiten, wertvolle Fähigkeiten in unserem vernetzten Zeitalter zu entwickeln. Klicke hier.

Berichte uns: Wie übst du "Deep Work" aus und was hat dies in deinem Leben verändert?


Übersetzung und Interpretation aus dem Englischen by Doret Pohl.

Siehe auch: Achtung an alle Teams: Zeitraubende Meeting-Vorbereitungen sind endgültig vorbei