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Konsistenz ist King: Warum Beständigkeit auch Fortschritt ist

Von | Veröffentlicht am | 9 Minuten Lesedauer
<span id="hs_cos_wrapper_name" class="hs_cos_wrapper hs_cos_wrapper_meta_field hs_cos_wrapper_type_text" style="" data-hs-cos-general-type="meta_field" data-hs-cos-type="text" >Konsistenz ist King: Warum Beständigkeit auch Fortschritt ist</span>

An einem schwülen heißen Sommertag im Jahr 2003 in North Carolina übte ein schmächtiger Teenager mit seinem Vater den 3er Wurf mit dem Basketball. Der Junge schlägt sich gar nicht schlecht in dieser Sportart, aber keiner der College-Trainer sieht ihn als ernst zu nehmendes Basketballtalent. Er ist zu klein, zu schwach und seine Würfe sind äußerst unkonventionell.

Trotzdem trainiert der Junge tagein, tagaus den ganzen Sommer hindurch, bis er seine Technik beherrscht und perfektioniert hat. Schließlich schafft er es in das Team eines kleinen Colleges und wird von dort aus für die Golden State Warriors verpflichtet, wo er sich als bester Werfer in der Geschichte der National Basketball Association (NBA), Basketball-Profiliga Nordamerikas, einen Namen macht.

Über Steph Currys Erbanlagen und Umfeld wurde schon viel geredet (immerhin war sein Vater ein gefeierter NBA-Spieler). Wenn man ihn aber nach Erfolgstipps fragt, gibt er immer nur eine Antwort: "Konsistenz". Auf die Frage, wie Distanzwürfe am besten gelingen, antwortete er: "Indem man sie immer auf dieselbe Weise wirft."

Basketballer trifft Korb wiederholt

Was also unterscheidet solch äußerst erfolgreiche Personen von Leuten wie uns? (Es müssen nicht unbedingt Athleten sein.) Ist es ihre natürliche Begabung? Haben sie die nötigen Ressourcen? Oder pures Glück? Klar, das kann alles zutreffen. 

Aber selbst, wenn Genetik, Umwelt und Zufall zu ihren Gunsten sprechen, kann niemand konsequent erfolgreich sein, ohne immer wieder zielorientierte Verhaltensweisen zu üben.

Und das, lieber Leser, sind gute Neuigkeiten für dich und mich: Konsequent sein, ist etwas, das wir lernen und kontrollieren können.

Warum unser Gehirn Konsistenz, Routine und Vorhersehbarkeit braucht

Dein Gehirn hilft dir zu überleben. Aus diesem Grund musst du Wege finden, Unsicherheiten zu reduzieren. Unsicherheit ist immer mit Risiken verbunden. Sie löst in deinem Körper bei den ersten Anzeichen von Gefahr eine Kampf-oder-Flucht-Reaktion aus.

Mit Konsistenz kann das Gehirn besser umgehen. Konsistenz reduziert Unsicherheit und macht Dinge vorhersehbar.

Wirkt sich Vorhersehbarkeit tatsächlich auf das Gehirn positiv aus? Eine Studie der Michigan State University zeigte, dass Mitarbeiter mit einem stetig unfairen Vorgesetzten tatsächlich weniger gestresst und zufriedener mit ihrem Job waren als die mit einem unberechenbaren Chef.

Woran liegt das? Forscher nehmen an, dass Menschen Konsistenz und Vorhersehbarkeit mindestens so sehr schätzen wie eine faire Behandlung oder sogar noch mehr. Das ergibt Sinn, weil unser Gehirn darauf ausgelegt ist, Bedrohungen zu erkennen und vorherzusehen. Bei jemandem, der sich andauernd schlecht verhält, weißt du, was dich erwartet. Bei unberechenbaren Menschen muss dein Gehirn hingegen ständig Vermutungen anstellen und auf der Hut sein.

Unser Gehirn mag also Regelmäßigkeit und Vorhersehbarkeit. Gut, oder? Warum ist es dann so schwierig, sich an einen Terminplan zu halten, wie jeden Morgen eine Runde zu joggen oder jeden Tag derselben Arbeit nachzugehen? Unser Gehirn ist so gepolt, dass es Neues und Einfaches auch gut findet

Wie neue Erfahrungen und Erfolge inkonsistentes Verhalten fördern

Zu behaupten, das Gehirn schätze neue Erfahrungen, ist nur die halbe Wahrheit. Tatsächlich verlangt es nach Belohnungen und bringt diese mit Neuem in Verbindung. Wenn etwas Unerwartetes passiert, das nicht negativ ist, wird dein Gehirn mit Dopamin (dem "Wohlfühl-Neurotransmitter") überflutet. Auf der Suche nach Belohnung bist du motiviert, das neue Umfeld zu erkunden.

Häufig werden unsere Entscheidungen bei der Festlegung von Zielen davon geleitet, was wir uns als Belohnung erhoffen. Forscher haben herausgefunden, dass wir uns bei der Verfolgung von Zielen stärker auf die verlockende Belohnung konzentrieren als auf den damit verbundenen Aufwand. "Wenn ich jeden Morgen um 5 Uhr aufstehe, kann ich an meinem Buch arbeiten bis die Kinder aufwachen."  

Sobald wir aber die nötigen Verhaltensweisen an den Tag legen, um das besagte Ziel zu erreichen, verlegen wir unseren Fokus verstärkt auf die Anstrengung und verlieren die Belohnung aus den Augen. "Es ist 5 Uhr morgens und unter der Decke ist es kuschlig warm. Wenn ich aufstehe, wird es mir kalt und ich werde wieder müde."

Das erklärt auch, warum die Motivation des Neujahrsvorsatzes, ein Buch zu schreiben, bis Februar langsam nachlässt. Natürlich winkt die Belohnung (ein fertiggestelltes Manuskript) immer noch, aber du verlierst sie im Laufe der Monate aus dem Blickfeld und es kostet dich Mühe, dein Manuskript zu beenden.

Weil dir dein Gehirn beim Überleben behilflich sein will, sucht es nach Möglichkeiten, Energie einzusparen. Wenn du also vor die Wahl gestellt wirst auszuschlafen oder, zum Arbeiten früh aufzustehen, wofür wird sich dein Gehirn wohl entscheiden?

Noch einmal zusammengefasst: Das Gehirn schätzt Vorhersehbarkeit, findet aber auch Gefallen an Neuem, an Belohnungen und an einfachen Lösungen. Häufig führen diese letzten drei Punkte zu inkonsistentem Verhalten.

Wie kannst du verhindern, dich von diesen Anreizen ablenken zu lassen? Das werden wir jetzt gemeinsam erörtern.

5 Gründe für inkonsistentes Verhalten – und wie du sie überwindest

1. Sind deine Zielsetzungen zu ungenau?

Wenn dein Ziel nicht klar definiert ist, muss dein Gehirn zu viele Entscheidungen treffen. (Ungenau wäre: "Ich will häufiger schreiben" – "Was genau ist mit 'häufiger' gemeint?" "Wann sollte ich schreiben?")

Bis dein Gehirn die Antwort auf diese Fragen gefunden hat, ist es schon erschöpft. Plötzlich scheint es viel verlockender, mit einer Packung Kartoffelchips auf dem Sofa zu chillen und Netflix-Serien anzuschauen, anstatt einen Roman zu schreiben.

Die Lösung: Implementierungs-Intentionen formulieren

Ziele werden besser erreicht, wenn man eine Umsetzungs-Intention formuliert, die den Tag, die Uhrzeit und den Ort für das gewünschte Verhalten festhält. Ein Beispiel: "An Wochentagen werde ich ab 5:30 Uhr am Küchentisch 30 Minuten lang an meinem Roman arbeiten." In einer einfachen Aussage hast du deinem Gehirn gesagt, wann, wo und was zu tun ist – um unnötige Entscheidungen zu eliminieren.

Dass diese Vorgehensweise funktioniert, ist wissenschaftlich belegt. Im Rahmen einer britischen Studie wurden die Motivation und das Verhalten der Teilnehmer bezüglich körperlicher Betätigung getestet. Die erste Gruppe erhielt klare Umsetzungsabsichten, die anderen Probanden wurden nur auf die Vorteile des Trainings hingewiesen. Sie stellten fest, dass beide Interventionsgruppen gleichermaßen motiviert waren, Sport zu treiben – aber die Gruppe, die eine Implementierungs-Absicht formulierte (wann und wo sie trainieren) und zusätzlich die Vorteile von Bewegung erfuhr, zog mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit ihr Training durch.

2. Musst du noch Steine aus deinem Weg räumen?

Denke daran, dein Gehirn steht dir beim täglichen Überlebenskampf zur Seite. Das bedeutet, es möchte Energie sparen. Wenn also deine neue Angewohnheit zusätzliche Energie erfordert, ist es weniger wahrscheinlich, dass du daran festhältst.

Du könntest beispielsweise beschließen, jeden Tag ein neues Logo zu entwerfen, um deine Grafikdesign-Fähigkeiten zu verbessern. Wenn dein Skizzenbuch aber auf dem obersten Regal im Schrank liegt und die Stifte irgendwo in einer Schublade vergraben sind, hast du schlechte Karten, dein Vorhaben umzusetzen.

Kaninchen entfernt Hindernis auf einem Parcours

Die Lösung: Reibungen vermeiden, wo immer es möglich ist

Bereite deine Umgebung vor: Der Autor und Produktivitätsexperte James Clear empfiehlt: "Mache dein Umfeld zum Komplizen, der die neuen Gewohnheiten vereinfacht!" Lege dir Hinweise gut sichtbar zurecht! So leitest du die begehrte Verhaltensweise ein. Dein Skizzenbuch und deine Stifte sind beispielsweise in deiner Tasche jederzeit einsatzbereit. Bei jedem Griff fallen sie dir ins Auge.

Automatisiere: Reduziere deinen Energieaufwand zum Anfangen! Automatisiere so viel wie möglich. Automatische Benachrichtigungen auf deinem Telefon könnten dich zu einer kreativen Zeit anregen oder tägliche E-Mail-Erinnerungen zum Skizzieren.

3. Bist du zu stark auf das Ergebnis fixiert?

Ergebnisse sind wichtig, denn daran kannst du messen, ob du dein Ziel erreicht hast. Aber sich ausschließlich auf Ergebnisse zu konzentrieren, hindert dein Gehirn daran, die unmittelbaren Belohnungen zu erhalten, nach denen es sich sehnt. Wenn du etwa dein Ziel formulierst: "Ich möchte eine leitende Ingenieur-Position innehaben", tun sich zwei Probleme auf:

  • Das kann lange dauern, und dein Gehirn wird es leid sein, auf die Belohnung zu warten.
  • Die Zielsetzung entzieht sich deiner Kontrolle, denn die Vorgesetzten bestimmen, wer befördert wird. Möglicherweise wird es also nie zu einer Belohnung kommen.

Die Lösung: Dein Endziel als Lernziel neu ausrichten

Endziele orientieren sich am Endergebnis, während es bei Lernzielen darum geht, wie gut du etwas im Laufe der Zeit beherrschst. 

Bei Lernzielen ist der Weg das Ziel. Selbst wenn du dein eigentliches Ziel nicht erreichst, profitierst du auf dem Weg dorthin. Eine Studie an der kanadischen Universität Toronto ergab Folgendes: MBA-Studenten, die sich Lernziele gesetzt hatten, (z. B. Wege zu finden, sich zu vernetzen oder verschiedene Standpunkte zu verstehen, waren mit ihrem MBA-Programm zufriedener als ihre Studienkollegen, die sich Endziele vorgenommen hatten (z. B. einen bestimmten Notendurchschnitt oder ein bestimmtes Gehaltsniveau zu erreichen).

Also anstatt zu sagen: "Ich möchte befördert werden", formuliere dein Ziel folgendermaßen um: "Ich möchte besser mit JavaScript umgehen können, meine Führungsqualitäten verbessern und jede Woche so viel wie möglich von meinem Mentor lernen". Dadurch erhält dein Gehirn bei kleinen Erfolgen nicht nur einen Dopaminrausch, du wirst dich auch besser auf Dinge konzentrieren können, die du tatsächlich kontrollieren kannst.

4. Verlässt du dich allein auf deine Willenskraft?

Ein großes Lob an alle, die Versuchungen widerstehen. Allerdings gibt es nur wenige unter uns, die sich den ständigen Ablenkungen gänzlich entziehen können. Was wäre, wenn du deine Willenskraft kaum einsetzten müsstest?

"Disziplinierte" Menschen können ihr Leben so strukturieren, dass weder heldenhafte Willenskraft noch Selbstkontrolle erforderlich sind", schreibt James Clear in seinem Bestseller Atomic Habits. "Das heißt mit anderen Worten, dass sie Verlockungen weniger ausgesetzt sind."

Laufender Löwe

Die Lösung: Einen Odysseus-Pakt schließen

Odysseus, der Held aus Homers Odyssee, ließ sich von seinen Matrosen an den Schiffsmast binden, um die todbringenden Sirenen umsegeln zu können, ohne sich von deren Gesang verführen zu lassen. Ein Odysseus-Pakt bindet dich an ein zukünftiges Verhalten, indem er dir hilft, den Versuchungen zu widerstehen.

Eine meiner Freundinnen legt beispielsweise ihr iPhone in eine verschlossene Kassette, die sich erst entsperrt und wieder öffnen lässt, wenn die Zeitschaltuhr abgelaufen ist. So kann sie in Ruhe in der Zwischenzeit ihre Arbeit erledigen. Anstatt sich allein auf ihre Willenskraft zu verlassen, schließt sie einen Odysseus-Pakt (als Mittel zur Selbstbeeinflussung). Dazu wird der verlockende Gegenstand an einem Ort aufbewahrt, auf den sie für eine von ihr gewählten Zeit nicht zugreifen kann.

Ähnlich habe ich bei einer Gruppe gehandelt, an der ich unbedingt teilnehmen wollte. Ich wusste, dass mein "zukünftiges ICH" sich gelegentlich dazu hinreißen lassen könnte, Treffen auszulassen, weil diese zu nachtschlafender Zeit stattfinden. Deshalb schloss ich einen Odysseus-Pakt und ließ mich zur Gruppenleiterin bestimmen. So habe ich mich selbst ausgetrickst: Ich kann kein Treffen ausfallen lassen, das ich selbst leite!

Resultat: Ich nahm letztendlich an allen Treffen teil. Ohne dieses Mittel zur Selbstbeeinflussung sähe es mit meiner Anwesenheit nicht so gut aus.

5. Lässt du dich zu sehr von deinen Gefühlen leiten?

Wenn du immer konsequent handelst, wird es dir eventuell eintönig. Und wie wir ja wissen, ist unser Gehirn auf Neues aus. Immer wieder dasselbe zu tun – obwohl es für den Erfolg entscheidend ist – steht in Konkurrenz zu den belohnungssuchenden Tendenzen unseres Gehirns.

Auch Profis gibt es Tage, an denen sie keine Lust auf ein Training haben. Steph Curry bezeichnet die drei Monate, in denen er jeden Tag mehrere Stunden an der Perfektionierung seines Korbwurfs gearbeitet hat, als den schlimmsten Sommer seines Lebens. Was wäre gewesen, wenn der junge Curry nach der tausendsten Wiederholung derselben Bewegung erschöpft und frustriert gewesen wäre und sich gesagt hätte: "Ich glaube, ich bin dafür einfach nicht geschaffen." Basketballfans hätten den beliebten Spieler, der zweimal zum MVP (Most Valuable Player) gekürt wurde, niemals erleben dürfen.

Denke also immer daran: Gefühle wie Langeweile, Frust und sogar Verzweiflung müssen nicht unbedingt bedeuten, dass du dir ein falsches Ziel gesetzt hast. Sie bedeuten auch nicht, dass du nicht die nötigen Fähigkeiten mitbringst. Sie zeigen lediglich, dass du vielleicht eine Pause brauchst oder deinem Gehirn den ersehnten Dopaminrausch gönnen solltest.  

Die Lösung: Deinen Alltag mit Abwechslung bereichern

Glücklicherweise lassen sich Konsistenz und Vielfalt gut miteinander vereinbaren und Gefühle der Langeweile abwehren. Hier einige Beispiele, einer Routineaufgabe spannende Abwechslung zu verleihen:

  • Schreibe jeden Morgen fünf Seiten deines Romans, wechsle aber dein Ambiente.
  • Trainiere jeden Abend in deinem Wohnzimmer, aber bringe Abwechslung in deine Übungen.
  • Lies immer 20 Minuten vor dem Zubettgehen, wechsle aber das Genre und nimm einmal einen Krimi, einen Selbsthilfe-Ratgeber oder einen Science-Fiction-Roman zur Hand.
  • Nutze jeden Morgen 15 Minuten lang einen Online-Ideengenerator und lasse dich zu einer Geschichte inspirieren.
  • Halte ein monatliches All-Hands-Meeting mit deinem Team ab und lade jedes Mal einen neuen Redner ein. Das belebt die Unternehmertreffen.

Wie du siehst, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, dein Leben abwechslungsreicher zu gestalten und gleichzeitig auf Beständigkeit zu achten. Beides muss sich nicht gegenseitig ausschließen.

Keep Calm und bleibe konsistent

In der Saisonpause macht Steph Curry jeden Tag 500 Korbleger-Würfe. Er wurde nicht zum NBA-Superstar, weil er in ein oder zwei Spielen einen "Alley-oop" hinlegte. Auch trainierte er nicht nur während der Basketballsaison.

Nein, der Junge aus North Carolina, den die Trainer für zu klein, zu schwach und zu unkonventionell für die großen Ligen hielten, hätte niemals diesen Erfolg erlangen oder aufrecht erhalten können, ohne immer wieder gezielt auf etwas hinzuarbeiten.

Vielleicht wirst du niemals einen Ball von der Dreierlinie werfen oder überhaupt einen Fuß auf ein Basketballfeld setzen, aber auch für dich gilt dasselbe Prinzip: Konsistenz gewinnt gegen Faktoren wie Erbanlagen, Erziehung oder Glück.


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