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Vermeide den Möven-Effekt: 30/60/90 für richtiges Feedback

Vermeide negatives Feedback, gebe positives Feedback.

Ist dir dieses Szenario jemals passiert? Du hast wochenlang an einem großen Projekt gearbeitet. Es ist fast fertig und ehrlich gesagt bist du auch ziemlich stolz auf das Ergebnis. Du hast jede Menge recherchiert und dich um jedes Detail gekümmert, um sicherzugehen, dass alles perfekt ist. Deine große Präsentation ist nur noch wenige Tage entfernt, es fehlt nur noch der letzte Schliff.

Aber dann — plötzlich — leuchtet im Augenwinkel deiner peripheren Sicht eine kleine rote Glocke auf und zeigt eine neue Benachrichtigung an. Klar - du überprüfst es sofort. Es ist Fabian, ein Mitglied deines Teams, der jedoch nicht an diesem Projekt beteiligt ist. Du liest den Kommentar, und spürst bei jeder Silbe die Unfreundlichkeit, die sich hinter dem Text verbirgt:

"Also.. meiner Meinung nach ist die Richtung, die du eingeschlagen hast, falsch, ich würde in Erwägung ziehen in die X-Richtung zu gehen."

Grrr! Zu diesem Zeitpunkt kennt deine Frustration keine Grenzen mehr. Du fühlst dich wirklich wie vor den Kopf gestoßen, dass er es wagt in diesem späten Stadium des Projekts aufzutauchen, und den Nerv hat, dir vorzuschlagen, das Ganze komplett zu ändern. 

Vorsicht: Möwen-Effekt

Hier demonstriert Fabian die hohe Kunst des Verhaltens einer ‘Möve / Seagulling.’ Wie die mitunter lästigen Strandvögel mit gleichem Namen, stürzte sich Fabian auf mich, bombardierte mich mit Kommentaren, die ich echt zu diesem Zeitpunkt nicht brauchen konnte.

Und wie eine Möwe flatterte er weiter, sobald er seinen Bissen im Schnabel hatte, um am Strand eines anderen zu kreischen. Und du sitzt da, kriegst den Mund nicht wieder zu und kannst diese Unverfrorenheit nicht fassen.

Wie hätte sich dieses Szenario anders abspielen können? Je nachdem, wie du vorgehst, kann es ein Erfolg oder auch ein Misserfolg werden Feedback zur eigenen Arbeit einzuholen. Wenn du die Nachfrage nach einem Feedback zu deiner Arbeit ein wenig strukturierst, wie und wann du Kommentare erfragst, kannst du die Frustrationen durch ungerechtfertigte, überzogene und überfällige Rückmeldungen mindern.

Nicht sie sind es, sondern du

Nun, wohlgemerkt, Fabian ist höchstwahrscheinlich kein blutrünstiger Geier, der seine Beute umkreist. Er ist wahrscheinlich sogar ein netter Kerl. Tatsächlich merkt er wahrscheinlich nicht einmal, wie wenig hilfreich sein Möwen-Verhalten ist. Und schließlich ist Feedback am Arbeitsplatz ja erwünscht.

Und hier ist die nackte Wahrheit: Du handelst dir das Möwen-Verhalten selbst ein, wenn du dich nicht zu einem früheren Zeitpunkt nach einem Feedback deiner Kollegen erkundigst. Nach Meinungen und Ideen dein Team erst ein paar Schritte vor deinem Ziel zu fragen, ist wohl nicht der richtige Zeitpunkt.

Es gibt ein herrliches Sprichwort, das hier super passt: "Du weißt nicht, was du nicht weißt". Einem großartigen Team liegt es daran dem anderen zu helfen, das Projekt unter anderen Aspekten, in einem anderen Licht, aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Das Endprodukt ist immer besser, wenn es um die Verwirklichung von Gedankenvielfalt geht.

Und nehmen wir an, du hast bereits konstruktives Feedback erhalten und Fabian kommt gerade aus dem Nichts mit seinen Kommentaren, aber eben etwas zu spät. Dann kannst du dich von Schuld und Frustration befreien, denn du hast die gebührende Sorgfalt an den Tag gelegt. Erinnere ihn einfach höflich an die Benachrichtigung, die du ja vor drei Wochen an alle gesandt hattest. Denn da hattest du nach Meinungen der einzuschlagenden Richtung gefragt, stimmt's? Fahre also ohne dich um sein Feedback zu kümmern fort, denn dein Schiff ist längst vom Stapel gelassen. Durch dieses Feedback-Beispiel erkennst du die Wichtigkeit von Feedback-Regeln. Also verhalte dich nicht defensiv und suche professionelles Feedback zum richtigen Zeitpunkt. Darauf solltest du unbedingt achten.

Die 30/60/90 Feedback Methode

Konstruktive Feedback Beispiele 30% 60% 90%.

In Wahrheit kann der Möwen-Effekt jeden Moment eintreten. Aber denke daran, dass die einzige Person, die dich in jeder Situation kontrollieren kann, du selbst bist. Das aktive Einholen von Feedback hilft, die eigenen Ergebnisse kritisch zu sehen und ist der Treibstoff für Verbesserungen. Zudem bewahrt das Einführen einer spezifischen Feedback-Methode vor unerwartet negativem Feedback am Ende eines Prozesses.

Die sogenannte 30/60/90 Feedback Methode hilft die richtige Art von Feedback zum richtigen Zeitpunkt zu erhalten. Dieses Prinzip unterteilt das Feedback in drei Teile, von denen jeder einen Prozentsatz des Fortschritts während des gesamten Prozesses oder Projekts darstellt:

30% Feedback

Das Einholen des 30% Feedbacks erfolgt im Anfangsstadium des Projektes, wenn du bereits begonnen hast eine Idee zu konkretisieren. Daten des Projektes liegen bereits vor, um ein gezieltes Feedback zu erhalten. Dies kann in Form einer detaillierten Gliederung, eines Diagramms, einer groben Skizze oder auch einzelner Spezifikationen erfolgen. Zum Zeitpunkt des 30% Feedbacks, erfragst du nach Ideen, Meinungen oder Tipps zum allgemeinen Konzept.

Dies wäre tatsächlich ein guter Zeitpunkt für Fabian gewesen, sein oben genanntes Feedback zu geben. Dem Projekt eine andere Richtung zu geben, wäre in diesem Moment noch möglich gewesen. Es ist völlig in Ordnung ein Richtungsänderndes Feedback in der 30%-Zone zu geben. Das Projekt steckt ja noch in den Kinderschuhen und Überlegungen zur Aufgabenstellung und Umfang sind zu diesem Zeitpunkt erforderlich.

Beispiele für Inhalte des 30% Feedbacks:

  • Eindrücke bezüglich des übergeordneten Konzepts
  • Überlege, welche Zielgruppen du ansprechen möchtest
  • Vorschläge zu Umfang und Erweiterungsmöglichkeiten
  • Endgültige Entscheidungen über Projektelemente
  • Überprüfung der Ausrichtung auf übergeordnete Organisationsziele

Was ist in der Regel bei 30% Feedback nicht erforderlich:

  • Ausführlicher und endgültiger Text
  • Satzaufbau und Formatierung

60% Feedback

Sobald die Projektplanung steht, die Ziele festgelegt sind und du die Richtung kennst, in die die Entwicklung gehen soll, kannst du daran arbeiten, bis ein vollständiger erster Entwurf erstellt ist. Wenn du zur Überprüfung bereit bist, stelle dir das 60% Feedback als eine traditionelle Feedback-Runde professioneller Rückmeldungen vor. Es bleibt noch Zeit für Vorschläge, die du zu verschiedenen Aspekten machen solltest, aber im Allgemeinen ist das Gesamtkonzept festgelegt. Die Erwartung ist, dass in der 60% Feedback-Phase die wahrscheinlich größten Änderungen auftreten: Die gesamte Satzstruktur und Grammatik sowie Vorschläge zum Hinzufügen oder Entfernen von Abschnitten werden bewertet.

Während dieser Phase ist es wichtig, dass möglichst alle Stakeholder involviert sind, da es deren Vorschläge sind, die das Projekt — was auch immer es ist — vom ersten Entwurf bis zum fast fertigen Produkt begleiten. Wenn du dieses Feedback jetzt nicht erhältst, besteht die Gefahr, dass du später dem gefürchteten Möwen-Effekt zum Opfer fällst. 😱🐦

Beispiele, worauf du bei 60% Feedback achten solltest:

  • Ausführlicher und endgültiger Text
  • Satzstruktur und Formatierung
  • Vorschläge für verschiedene Erweiterungsmöglichkeiten
  • Wurde das Feedback der 30% Phase korrekt umgesetzt?
  • Grafiken mit Farbthemen oder Codeüberprüfungen, falls es sich um technische Themen handelt

Was ist in der Regel beim 60% Feedback nicht erforderlich:

  • Eindrücke bezüglich des übergeordneten Konzepts
  • Endgültige Entscheidungen über wichtige Projektelemente
  • Überprüfung der Ausrichtung auf übergeordnete Organisationsziele

90% Feedback

Die letzte Stufe der Feedbacks wird als 90% bezeichnet, da das Projekt kurz vor dem Abschluss steht. Nachdem alle Feedbacks aus der 60% - Phase zusammengefasst und umgesetzt wurden, ist es an der Zeit für alle, das Projekt mit den vorgenommenen Änderungen zu sehen. Dieser Schritt ist die Rückkopplungsschleife die erfragt "Gibt es noch etwas, das ich eventuell verpasst habe?"

Beispiele dafür, was im 90% Feedback zu finden ist:

  • Ausführlicher und endgültiger Text
  • Satzstruktur und Formatierung
  • Wurde das Feedback aus der 60% - Phase korrekt umgesetzt?

Was in der Regel bei 90% Feedback nicht erforderlich ist:

  • Vorschläge für Erweiterungsmöglichkeiten (sofern diese nicht relativ geringfügig sind)
  • Eindrücke bezüglich des übergeordneten Konzepts
  • Eindrücke des Konzepts aus einer breiteren Perspektive
  • Überprüfung der Ausrichtung auf übergeordnete Organisationsziele

Eine weitere wichtige Anmerkung: Professionelles Feedback ist bei jeder Art von Projekten erstrebenswert. Unabhängig davon, ob es sich bei deinem Projekt um einen Dokumentenentwurf, um eine neue Produktspezifikation oder eine Designaufgabe handelt. Jedes Projekt, das Feedback mehrerer Personen erfordert, kann an die 30/60/90 Feedback-Methode angepasst werden.

Schnelle Tipps, Feedback elegant anzunehmen

Manchmal ist man mit einem Projekt sehr stark verbunden. Wenn wir dann die unterschiedlichsten Feedbacks erhalten, kann dies zu emotionalen Reaktionen führen. Hier ein paar Dinge, an die du dich erinnern solltest, wenn du Feedback erhältst:

  • Nimm es nicht persönlich. Verknüpfe das Projektfeedback nicht mit persönlichen individuellen Werten. Denke daran, dass es sich hier nicht um ein Feedback über dich als Person handelt.
  • Reagiere nicht abwehrend oder verteidigend. Es ist kontraproduktiv zu versuchen, auf jedes Feedback mit "Was ich meinte, war das..." zu antworten. Damit deutest du an, dass du annimmst, die Person habe deine Arbeit nicht verstanden und das kann in einen Kampf ausarten. Wenn die Person es nicht verstanden hat, ist dies möglicherweise ein Zeichen dafür, dass das Endergebnis nicht deutlich ist. Antworte einfach mit einem "Danke" und überprüfe dieses Feedback in Ruhe.
  • Gönnen es dir, (einige!) Feedbacks zu ignorieren. Das Übergehen von circa 10% der Feedbacks ist vollkommen in Ordnung. Denke daran, manchmal ist es eben nur ein Vorschlag, der nicht umgesetzt werden muss.
  • Denke immer daran, den Kontext der Person zu berücksichtigen, die das Feedback gegeben hat. Nehmen wir zum Beispiel an, ein Kollege, der für die internationalen Aspekte des Unternehmens verantwortlich ist, hält ihre umgangssprachliche Referenz nicht für angebracht. Das heißt nicht unbedingt, dass er deinen gesamten Text für schlecht hält. Andererseits solltest du sicherstellen, dass die Inhalte für verschiedene Zielgruppen auf der ganzen Welt zugänglich sind.

Feedback zu erhalten kann genau so schwierig sein, wie Feedback zu geben — besonders wenn es sich um konstruktive Kritik handelt. Wenn du das nächste Mal ein neues Projekt startest, halte einen Moment inne, um die Möwen aus der Ferne kreischen zu hören. Wenn du sie gut im Auge behältst und auf strukturierte Weise nach Feedback suchst, wird der Prozess reibungsloser und niemand wird die Geschichte mit einem "Hitch Cock" auf dem Kopf beenden.


Übersetzung und Interpretation aus dem Englischen by Doret Pohl.

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Siehe auch: Burnout Syndrom: die Anzeichen, wie vermeide ich es und wie befreie ich mich davon